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Die Legende vom Quallenvolk / The Legend of the Jellyfishpeople

Josef Rieser

Die Legende vom Quallenvolk

Ein Katzensprung dunkler Zeit von Atlantis entfernt lebte auf einer reichen Insel ein mächtiges Volk. Sie hatten etwas, womit sie den anderen Völkern sehr überlegen schienen: Quallen in Hülle und Fülle. Sie begnügten sich damit, lange, diese Quallen nur zu betrachten.

Doch dann geschah es, dass ihre Könige verschwanden.

Kinder fingen an, mit den Quallen zu spielen und ein kluges Kerlchen setzte sich eine Qualle auf den Kopf. Die Ältesten sprachen daraufhin von einer Krönung und sie nahmen den Kindern die Quallen weg, da sie von nun an königlich waren und der Königsfindung dienen sollten. Die Kinder störte das nicht sehr, denn sie bekamen dafür das Recht, alle Muscheln ihr Eigentum zu nennen. Für die Quallen wurde eine eigene Umfriedung gebaut und bei Sonne und Mond bewacht. Dann wurden die Zeremonien ausgerufen, wobei die Männer und auch die Frauen sich eine Qualle auf den Kopf setzen mussten. Wer nun am längsten es mit der Qualle aushielt, dem oder der stand die Königswürde zu. Es war ein beeindruckendes Treiben, über das die Kinder jedoch nur lachen konnten.

Der Kinder Spott wurde so groß, dass sie von den Ältesten auf die andere Seite der Insel verbannt wurden. Sie nahmen ihre Muscheln und gingen ohne einen Mucks. Nur ein kleines hinkendes Mädchen rasselte mit ihrer Muschelkette, unwillig, denn sie wusste, dass ihr Vater heimlich Pech auf seinen Kopf schmierte und so die Qualle am längsten an sich binden würde. Die Blicke von Vater und Tochter trafen sich als die Kinderschar auszog und das Mädchen spürte den fremden glänzenden Blick der Augen des Vaters. Selten hatte er so dreingeblickt nur wenn er schreckliche Kopfschmerzen hatte.

Die Fluten kamen und gingen und der Vater wurde König und der König wurde wahnsinnig, da er die Qualle so lange auf seinem Kopf tragen musste.

Niemand merkte den Betrug mit dem Pech und der König begann eines Nachts um seine Macht zu bangen, da er glaubte, seine Tochter könne ihn verraten. Also schickte er Schergen aus, um die Kinder zu finden und zu töten. Das geschah und die Körper der Kleinen wurden am Strand angeschwemmt und der König befahl seinem Volk, sie in einen riesigen Vulkan zu werfen.

Das geschah alles und dann begann das Volk auszusterben.

Es dauerte nicht lange und die Quallen hatten die gesamte Insel wieder zurückerobert. In einer Bucht jedoch fanden sich die prächtigsten Quallen wie zum Dank ein. Es war die Stelle, an der im seichten Wasser eine zerrissene Muschelkette lag.

The Legend of the Jellyfishpeople

Only little dark time away from the age of Atlantis, a mighty people lived on a rich island. They had something, which seemed to put them far above the other peoples: jellyfish over jellyfish. For a long time, they were happy just to look at the jellyfish.

But then it happened, that their kings disappeared.

Children began to play with the jellyfish and one clever chap put one on his head. The elders spoke of a crowning and they took the jellyfish away from the children, since they were now royal jellyfish and to be employed for the finding of a king. The children were not overly concerned, since they in return gained the right to call all shells their own. A wall was built for the jellyfish and they were guarded by sun- and moonlight. Then they opened the ceremony, in which every woman and every man had to put a jellyfish on their head. Those who lasted the longest with the jellyfish would become king or queen. It was an impressive bustle, about which the children could only laugh.

The children's ridicule became so great that the elders exiled them to the other side of the island. They took their shells and went without a word. Only one small, limping girl unwillingly rattled with her necklace of shells, since she knew that her father had secretly put tar on his head, and so the jellyfish would stay longest on his head. The eyes of father and daughter met as the children left, and the girl felt a strange shining gaze in her father’s eyes. He had rarely before looked like that, only when he had terrible headaches.

The flood came and went and the father became king, and the king went mad because he had to carry the jellyfish on his head for so long.

No one had noticed the deceit and one night the father began to fear that his daughter might betray him and he would lose his powers. So he sent out myrmidons in order to find the children and to kill them. And so it happened, and the small bodies came washed up on the beach and the king told his people to throw them into a large volcano.

All of that happened and then the people began to die out.

It did not take long, and the jellyfish had recovered the entire island for themselves. But the most beautiful jellyfish came just to one bay, like an offering of thanks. It was the place where in the shallow water there lay a torn necklace of shells.

TotgestrandetBernd Höfer: Totgestrandet / Jetsamed

edition selene, Wien 2004
ISBN: 3-85266-245-1

[ www.selene.at ]

 

© Bernd Höfer, 2006-2014