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Erst im Stranden ist sie betroffen / It Touches Her Only while Stranding

Ingram Hartinger

Erst im Stranden ist sie betroffen

Und es muß Licht sein, nein, damit es funktioniert? Nicht wahr,das Auftauchen, vielmehr die Anschwemmung der unbekannten Wesensart, begleitet von milchig Akzidentellem, geschieht doch im Lichte der Sichtbarmachung? Und inständiges Licht ist sonders notwendig, damit das Ausmaß einer Strandung – geradezu detektivisch – festgehalten werden kann, oder? Ja, so ist es, so scheint es, einerlei. Denn Licht geht leicht von der Hand, ist bildsam wie Wasser, rinnt und klumpt, und es lichtet sich sodann im Blickwechsel. Oder aber Licht, besehen im Lichte eines Bildes, das den Rand vergaß und die Gefängnistür sperrangelweit offen ließ. Denn es gilt und muß fürderhin gelten: Freiheit für Strandgüter - im Lichte des schmerzlich verschwommenen Gelalles der Menschenheit.

Und kein Mensch kümmert sich je um sie, während sie da schläft, nackt mit Haar und Fäden. All dieses Gerümpel in den Städten verschwindet wie von allein, während diese hier, die Nackte, sich selbst aus dem Dreck zog. Oder vielleicht gar nie im Dreck steckte. Während sich vielleicht ein Farbenspiel des Wassers zusammenbraut, träumt sie, die von Grund auf Nackte, vom auf- und absinkenden Pegel oder von jenem Punkt der Erzähltheit, von dem aus die Rückkehr nur mehr schwer und bitterlich. Im Teich freilich spiegelt sich’s anders.

Dies hier indessen ist ein sich selbst begleitender Pazifik, eine verrauschte Quelle, ein durch diverse Lösungen eventuell berauschendes Wort-Wasser oder Wasser-Wort, einerlei, ja, und es muß tatsächlich mit dem sich zurückbiegenden Licht zusammenhängen. Vollgehagelt trunken will der Fotograf das schaumgekrönte Wild festnageln, doch umsonst. Aus dem Wasser, massenhaft sich aufschaukelnd, steigt nur der nebelhafte Rumpf eines schon immer in der Mündung anderer Wässer verschwundenen Schnappers, imaginäre Wesensarten mithin, die ihn nun zappeln lassen, den Fotografen, mit seinem Gerät, mit seinem verqueren Ansatz. Mit jeder Welle verschwimmt das Bild, um uns zu benetzen oder gar zu entblößen, die wir immer wieder nur Betrachter sind, eingekeilt zwischen den Begriffen, nach denen wir fischen.

It Touches Her Only while Stranding

And there must be light, mustn't it, for it to work? Don't you think, the strange being’s appearance, its being washed up rather, accompanied by the milky accidental, only occurs in the light of becoming visible? And poignant light particularly is necessary to capture the extent of the stranding, almost like a detective, isn't it? Yes, that is how it is, how it seems, but whatever. Because light is so simple, picturesque like water, it flows and lumps, it lights itself in the change of perception. Then again, light, seen in the light of a picture that forgot the frame and left the prison door wide open. Because it is true and must remain true: Freedom for flotsam - in the light of the painfully vague lolling of humanity. And no person ever cares about her, as she is lying there asleep, naked with hair and strings. All that waste in the cities disappears as if by itself, while this one here, the naked one, pulled herself out of the mud. Or maybe was never stuck in the mud. While maybe the water's play of colours is brewing, she, the fundamentally naked one, is dreaming of the rising and falling level or that point of being told of, from which the point of return can only be painful and hurtful. In the pond, of course, it looks different. But this here is a Pacific that is always there with itself, a washed-up source, maybe an amazing word-water or a water-word through various solutions, anyway, yes, and it must really have something to do with the waning light. The photographer, blindly drunk, wants to capture the froth-crowned game, but in vain. Rising out of the water, swinging up in its mass, is only the nebulous body of a snapper that had always already disappeared in other waters, imaginary being anyhow that lets him snap for air, the photographer, with his instrument, with his awkward approach. The picture wanes with every wave, to wet or even bare us, we, who are always only observers, stuck among the words we are fishing for.

TotgestrandetBernd Höfer: Totgestrandet / Jetsamed

edition selene, Wien 2004
ISBN: 3-85266-245-1

[ www.selene.at ]

 

© Bernd Höfer, 2006-2014