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Zeit der Fische / Time of the Fish

Patricia Brooks

Zeit der Fische

Du sitzt im Restaurant am Strand und trinkst kühlen, weißen Wein gegen die Hitze der Nacht, die das Blut dick und träge macht. Du hast Fisch bestellt. Du riechst den süßen, milchigen Schweiß der Kellnerin, als sie dir den Teller mit dem Essen auf den Tisch stellt. Ihr Haar ist lang und gebleicht von Sonne und chemischen Substanzen. Ihr Geruch verdirbt dir den Appetit. Du möchtest keinen toten Fisch essen. Du möchtest ihre rasierte, weiche Achselhöhle lecken. So glatt und feucht wie die beschlagene Linse deiner Kamera, wie die Haut eines Fisches. Du rührst den Fisch nicht an, legst das Besteck zur Seite. Ist mit dem Fisch etwas nicht in Ordnung? fragt die Kellnerin. Das sieht man doch, sagst du, er ist tot. Sie verzieht den Mund zu einem halbherzigen Lächeln, gibt dir eine von ihren eigenen Zigaretten. Das sind diese Nächte, sagt sie, wenn der Mond rot und schräg am Himmel steht. Die Nächte wenn das Meer die Fische tot an den Strand spült. Und keiner weiß warum. Diese Nächte machen alle verrückt. Ich werde ihn zurückbringen, dorthin wo er hingehört, sagst du. Wer gehört schon irgendwohin? sagt sie achselzuckend. Du packst ihre Hand, hältst sie umklammert. Kommst du mit zum Strand? fragst du. Sie sieht dich nicht an, starrt hinaus auf das dunkle Wasser. Vielleicht, sagt sie, vielleicht.

Time of the Fish

You are sitting in a restaurant at the beach and are drinking cool, white wine against the heat of the night that makes the blood thick and slow. You ordered fish. You can smell the waitresses' sweet, milky sweat as she puts the plate on your table. Her hair is long and bleached by the sun and chemicals. Her smell ruins your appetite. You don't want to eat dead fish. You want to lick her shaved, soft armpit. As smooth and damp as the steamed-up lens of your camera or as a fish-skin. You don't touch your fish and put your cutlery down on the table. Is there something wrong with the fish?, the waitress asks. That is evident, you say, it is dead. Her mouth forms a half-hearted smile and she gives you one of her cigarettes. It's those nights, she says, when the moon hangs red and sloping in the sky. The nights when the sea washes dead fish onto the beach. And no one knows why. These nights make everybody crazy. I'll bring it back to where it belongs, you say. Who belongs anywhere anymore?, she asks, shrugging her shoulders. You grab her hand, hold it tight. Will you come with me to the beach, you ask. She doesn't look at you, stares out at the dark water. Maybe, she says, maybe.

TotgestrandetBernd Höfer: Totgestrandet / Jetsamed

edition selene, Wien 2004
ISBN: 3-85266-245-1

[ www.selene.at ]

 

© Bernd Höfer, 2006-2014